| Lasker - Steinitz 1894 (R. Hübner) |
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Robert Hübner: Preis: 34,- € Robert Hübner widmet sich Emanuel Lasker als Wettkampfspieler, angefangen von seinen ersten Zweikämpfen bis zur Erringung des Weltmeistertitels. Auch die dramatische Titelverteidigung gegen Schlechter 1910 wird erneut beleuchtet. Die profundeste Studie zu diesem Thema überhaupt.
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Robert Hübner: Edition Marco / Verlag Arno Nickel, ISBN 978-3-924833-56-5 Preis: 34,- €
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Rezension(en)
Besprechung von Harry Schaack in: KARL, Das kulturelle Schachmagazin, 1/2009 Neubewertung Robert Hübner ist nach Emanuel Lasker der beste deutsche Schachspieler. Bis zur Nr. 3 in der Welt hat er es geschafft. Von jeher ist er nicht nur am praktischen Schach interessiert. Er hegt seit langem auch Interesse an der Geschichte des Spiels, zu der er regelmäßig Veröffentlichungen vorlegt. Einige seiner Ansichten haben zu historischen Umbewertungen geführt. Dank seines scharfen analytischen Blickes und seiner Sachkenntnis ist er wie kaum ein anderer dazu geeignet, den Gehalt lang zurückliegender Partien und die Bedeutung alter Meister zu beurteilen. Ende letzten Jahres erschien sein Buch Der Weltmeisterschaftskampf Lasker - Steinitz 1894. Der Titel greift etwas zu kurz, denn Hübner beschäftigt sich nicht nur mit Laskers erstem WM-Match, sondern auch mit all seinen Zweikämpfen davor und danach bis zur knappen Titelverteidigung 1910 gegen Schlechter. Die direkte Auseinandersetzung in Duellen stand bis Anfang des 20. Jahrhunderts höher im Kurs als schwer zu organisierende interkontinentale Turniere. Die Gage beider Spieler fand sich schnell durch Wetteinsätze, die mit etwas Sachverstand einen erheblichen Gewinn versprachen. Hübner sinniert in seiner originellen Einleitung über den Reiz solcher Duelle – eine kleine Exkursion, bei der er auch das Verhalten der Schimpansen sowie die Hackordnung und Sozialpsychologie des Haushuhns zu Rate zieht. Durch die Mitarbeit am Lasker-Buch-Projekt (s. KARL 1/08, S.42f) hat Hübner viel Material gesammelt. Nicht alles war dort unterzubringen, weshalb er wohl auch manches als Vorarbeit für dieses Werk verwenden konnte. Einige Texte, wie die über Mieses und Schlechter, sind zumindest zum Teil schon anderswo erschienen. Seine Abhandlung über die Weltmeisterschaft von 1894 schließt aber eine Lücke. Bislang gab es lediglich das Wettkampfbuch, das direkt nach dem Match erschien und heute kaum noch zu haben ist. Der Gehalt der Partien ist von den zeitgenössischen Kritikern unterschätzt worden. Zum einen setzte Steinitz seine eigene Leistung herab. Zum anderen kritisierten die Widersacher Laskers, Hoffer und Tarrasch, das Spiel des neuen Weltmeisters und führten seinen Sieg auf das Alter von Steinitz zurück. Dieses schlechte Urteil über den Wettkampf hat sich bis heute erhalten. Doch der Autor präsentiert das Geschehen in anderem Licht: „Der Wettkampf bietet die frühesten Beispiele für schwerblütig-langwieriges, positionell-strategisches Kampfschach. Ich bin der Ansicht, dass erst Botvinnik wieder derartige Stellungstypen herbeizuführen vermocht hat. Für manche Stellungsmuster hat Lasker Verfahren entwickelt, die bis heute maßgebend sind. Die Anzahl der groben Fehler in diesem Wettkampf ist gering.“ Hübners Kommentierung ist legendär. Seine Analysen erfreuen sich einem Detailreichtum, der nur selten anzutreffen ist. Trotz ausführlicher Variantenbäume bemüht er sich meist um Paraphrasierung der Stellungsmerkmale. Dies ist auch in diesem Werk nicht anders, bei der Besprechung der meisten Wettkämpfe beschränkt er sich jedoch auf die Darstellung der Schlüsselmomente. Am Ende der Betrachtung bewertet er die Zweikämpfe und fügt kurze Biographien von Laskers Kontrahenten bei. Schlechtere Partien werden teils unkommentiert abgedruckt, meist garniert mit Hinweisen wie: „Die Vorführung der Partie bietet mir keine Freude; daher wird auf Anmerkungen verzichtet.“ Eine eingehende Untersuchung erhalten dagegen die Matchs gegen Mieses 1889/90 und Blackburne von 1892, der erste WM-Kampf gegen Steinitz, der im Zentrum des Buches steht, sowie die Begegnung mit Schlechter 1910. Hübner legt die wohl bislang umfangreichsten Analysen zum Wettkampf Steinitz - Lasker vor. Seine akribische Vorgehensweise versucht das gesamte Quellenmaterial zu berücksichtigen. Resümierend konstatiert der Autor Steinitz einen ebenbürtigen Kampf in den ersten sieben Partien. Nach seiner unglücklichen Niederlage in der 8. Partie sei er aus dem Gleichgewicht geraten, was die Ursache für seinen anschließenden Einbruch war. Nach fünf Niederlagen in Folge findet der Titelträger erst nach dem letzten Ortswechsel von Philadelphia nach Montreal und der damit verbundenen zweiwöchigen Pause zu seinem Spiel zurück. Der Rückstand ist allerdings längst zu groß. Lasker siegt überlegen mit 12-7. Wenn Hübner über die Stärken und Schwächen der Kontrahenten spricht, gelangt er zu einigen erhellenden Einsichten: „In der Verteidigung gegen einen direkten Königsangriff zeigt [Lasker] oft erstaunliche Unsicherheit.“ Auch habe er „in geschlossenen Stellungen, in denen ein klarer Plan nicht greifbar ist, Mühe […], zu einer einheitlichen Spielgestaltung vorzudringen.“ Als diese Partien gespielt wurden, steckte Schach in vieler Hinsicht noch in den Kinderschuhen. Erst langsam mehrten sich strategisch-positionelle Kenntnisse. Vielleicht sind gerade deshalb Hübners umsichtige Analysen so lehrreich. Es braucht eben nicht das aktuellste Material, um das Schachverständnis zu verbessern. Hübners Verdienst ist es zweifellos, dass die Partien dieses Wettkampfs in neuem Licht erscheinen und der schachliche Gehalt besser eingeordnet werden kann. Zeitgenössischen Quellen blieb der Blick naturgemäß verstellt. Steinitz war sich nach dem Kampf sicher, dass er leicht 10-2 hätte gewinnen können, wäre er einigermaßen in Form gewesen. Dem entgegnet Hübner, „dass dieser Spieler bei der Stellungsbewertung seine eigenen Möglichkeiten oft in allzu rosigem Licht“ sieht. Laskers Wettkampfsieg war hochverdient und völlig überzeugend. Und weiter: „Die generelle Qualität der Spielführung liegt weit über dem Niveau, das man aus dieser Zeit gewohnt ist. […] Es ist mir rätselhaft, warum Lasker bis heute häufiger als Neuerer im positionellen und strategischen Bereich so gering geschätzt wird. […] Gerade Laskers Vielseitigkeit scheint mir am erstaunlichsten zu sein.“ Es schließt sich noch ein längerer, überarbeiteter Beitrag über Laskers Wettkampf gegen Schlechter an, den Hübner schon 1999 veröffentlicht hatte. Er bespricht nur ausgewählte Partien, widmet aber einen Großteil seiner Aufmerksamkeit der entscheidenden 10. Partie. Lasker gewann die dramatische Auseinandersetzung, was ihm das Unentschieden und den Titelerhalt sicherte. Der Weltmeisterschaftskampf Lasker - Steinitz 1894 ist ein sehr schön gemachtes Buch. Der edle Einband, viele Fotos und ein sehr schönes und sorgfältiges Layout machen den Preis angemessen.
Besprechung von Frank Hoppe (Homepage Deutscher Schachbund, 18.12.2008) Dem Verleger Arno Nickel und seinem Autoren Dr. Robert Hübner blieb das vorbehalten, was eigentlich die Emanuel Lasker Gesellschaft ursprünglich zur Schacholympiade in Dresden geplant hatte: die Veröffentlichung eines Werkes über den einzigen deutschen Schachweltmeister Emanuel Lasker. Der Erscheinungszeitpunkt der oppulenten, über 1.000 Seiten starken Lasker-Biographie ist auf das dritte Quartal 2009 verschoben worden. Sie kann aber bereits bei der Emanuel Lasker Gesellschaft vorbestellt werden, zum Subskriptionspreis von 98 Euro statt später 125 Euro. Nicht ganz so tief in die Tasche greifen muß man, um das Hübner'sche Lasker-Werk sein eigen nennen zu können. Es ist auch bei weitem nicht so umfangreich und enthält nur wenig biographische Daten. Im Mittelpunkt von Hübner's Interesse steht der Weltmeisterschaftskampf von 1894, als Emanuel Lasker den Österreicher Wilhelm Steinitz entthronte. Doch mit diesem Wettkampf endet das Buch nicht, wie uns der Titel glauben machen will. Wer das Buch aufblättert, ist angenehm überrascht, das sich nicht alles nur um diesen einen Weltmeisterschaftskampf dreht, sondern Hübner auch die Zweikämpfe Lasker's in den Jahren vor 1894 beleuchtet und zudem dem Weltmeisterschaftskampf 1910 gegen Carl Schlechter breiten Raum widmet. Im ersten Kapitel behandelt Hübner die folgenden Zweikämpfe Lasker's und lockert diese teilweise mit Partien auf: von Bardeleben 1889, Mieses 1889/90, Bird, Miniati und Englisch 1890, Blackburne und Bird 1892, Showalter 1892/93. Das zweite Kapitel ist der eigentliche Hauptteil des Werkes. Auf über 120 Seiten analysiert Hübner die 19 Partien des WM-Kampfes gegen Steinitz. Im dritten Teil des Buches folgt der WM-Kampf gegen Schlechter, wobei besonders der entscheidenden letzten, zehnten Partie - wo Lasker gewinnen mußte, um den Titel zu behalten - mit 28 Seiten sehr viel Platz gewidmet wurde. Hübner geht bei der Analyse der Partien sehr gewissenhaft und ausführlich zu Werke. Dabei zieht er zahlreiche historische Quellen zu Rate, die er zu Beginn jeder Partie nennt und aus ihnen zitiert. Bei oben genannter Entscheidungspartie gegen Schlechter sind es allein 27 Quellen, auf die Hübner zurückgreift! Nicht immer ist Hübner einer Meinung mit den früheren Komentatoren und so tadelt er früher für unbedenklich gehaltene Züge oder nimmt früher schwachen Zügen das schlechte Image. Die Furcht, sich im Dschungel der vielen Varianten (A,B,Aa,Aa1,I...) zu verlieren, wird mit einer klaren Struktur die Nahrung genommen. Sehr hilfreich, bei sich über viele Seiten erstreckenden Analysen/Partien, ist auch die Angabe der gerade behandelten Partie in der Kopfzeile der Seite. Mehr als einmal ertappte ich mich dabei, vergessen zu haben, wessen Partie hier gerade besprochen wurde. Ein Blick zum Buchrand brachte die schnelle Erkenntnis und ersparte ein umständliches Zurückblättern. Interessant zum WM-Kampf gegen Steinitz ist, das der entthronte Weltmeister nach der 7:12-Niederlage gegen den Deutschen sehr angefressen war und kein Lob für seinen Bezwinger fand. In Bestform hätte er Lasker 10:2 oder 10:3 bei einigen Remispartien schlagen müssen, so Steinitz. Seine von ihm verlorenen Partien hätten zweitklassige Spieler gegen Lasker gewonnen bzw. ein Remis vorgeben können. Interessant an der Arbeit Hübner's sind die Schreibweisen einiger slawischer Namen. Da wird aus dem im Deutschen üblichen Tschigorin Čigorin oder aus Schirow wird Širov. Das ist zwar alles ganz korrekt und trägt der wissenschaftlichen Ader Hübner's Rechnung, nötigt dem Leser aber auch eine Eingewöhnungsphase ab, denn besonders Tschigorin wird in diesem Werk mehr als einmal genannt. Das im polnischen Szczecin gedruckte Werk überzeugt in seiner Verarbeitung und ist ein Schmuckstück für jeden Bücherschrank. Allerdings sollte es dort mit der Frontseite zu sehen sein, denn der Buchrücken trägt keinen Titel. Neben der falschen ISBN-Nummer auf der Rückseite, ist das aber auch schon der einzige Mangel - auch wenn Verleger Arno Nickel mit der Qualität der gedruckten 15 Fotos nicht ganz zufrieden ist, dem ich mich aber nicht anschließen kann. Aber ich habe ja die Originale auch nicht gesehen. |




